Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 5. Dezember 2019 bis 6. Januar 2020

Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 5. Dezember 2019 bis 6. Januar 2020

Chinesinnen bezaubern mit ihren Hula-Hoop-Reifen

Eßlinger Zeitung, 30.12.04


Shenzhen Truppe vom Großen Chinesischen Staatscircus ist für ihre Vorführung preisgekrönt
Von Iris Frey

Sie treten das allererste Mal außerhalb Chinas auf und sorgen im Weltweihnachtscircus für eine zauberhafte Präsentation: die Artistinnen vom Chinesischen Staatscircus, die den Hula-Hoop-Reifen ein besonderes Come-back bescheren.

Wang Shi von der Performing Art Agency aus Peking vermittelte die Gruppe zum Weltweihnachtscircus. Mit dem Produzenten des Weltweihnachtscircus, Henk van der Meyden, arbeitet Wang Shi schon seit acht Jahren zusammen. Der Trainer der Gruppe, Wang Lien Zhu freut sich, wie die Präsentation die Herzen des Stuttgarter Publikums erobert. Schließlich hat er seine Gruppe seit 2001 auf Hula-Hoop eingeschworen. "Insgesamt sind es 80 Artisten", erzählt er. 30 Artisten führen die Hula-Hoops vor, zehn davon sind in Stuttgart. "Wenn noch mehr Artisten die Reifen kreisen lassen, ist das natürlich noch eindrücklicher", sagt er.

Goldener Löwe als Preis
Beim Nationalen Akrobatik Wettbewerb im Oktober hat die Gruppe in China den Goldenen Löwen gewonnen. Dieses Programm trainieren sie seit Mai 2003. Wang Lien Zhus Idee dazu ist, dass er die Hula-Hoop-Reifen mit der Kunst und Artistik kombiniert, um die Übungen besonders eindrücklich zu machen. Sehr schwierig seien die Übungen, wenn drei Personen aufeinander stehen und der ganze Körper die Reifen in Bewegung bringt. Das jüngste Mädchen ist elf Jahre alt. Es steht Kopf auf Kopf und muss so die Balance halten und die Reifen mit Armen und Beinen bewegen, Dabei alle Muskeln des Körpers unter Kontrolle zu halten ist sehr schwierig. In der großen Show gibt es fünf Dreier-Pyramiden. Nächstes Jahr im Februar reist die Shenzhen Troupe nach Paris. Doch zuvor genießen sie die neuen Eindrücke von Europa in Stuttgart. Weihnachten hat auch in China Einzug gehalten. Ob in Peking oder Shanghai, überall werden die Städte weihnachtlich herausgeputzt, erzählt Wang Shi. Auch in dem drei Flugstunden von Peking entfernten Shenzhen City, aus dem die chinesischen Artistinnen kommen. Die Stadt hat für die Chinesen eine besondere Bedeutung: 1979 öffnete sie sich der Welt, dem freien Handel. Das Reisen ins Ausland ist für die Chinesen nun auch einfacher geworden. "Das Land öffnet sich immer mehr", sagt Wang Shi. Von Deutschland sind sie von der Freundlichkeit der Menschen beeindruckt und vom tollen Publikum. Darüber freut sich auch Li Ji Hui. Die 16-Jährige wird möglicherweise mit ihrer Nummer ins Guinessbuch der Rekorde kommen. Sie schwingt mit Hilfe von vier Assistentinnen 280 Hula-Hoop-Reifen um ihren Körper. Der jetzige Rekord steht bei 99 Reifen.

Diese Vorführung darf nicht zu lange dauern. Aktuell dauert diese besondere und anstrengende Präsentation eine Minute und 50 Sekunden. Damit dies der 15-Jährigen 1,60 Meter großen Chinesin gelingt, haben die Artisten immer drei Reifen miteinander verbunden. An diesen Standards wird nun geklärt, ob sie als gelungener Weltrekord betrachtet werden können. Am 21. Dezember hat die 16-Jährige es vor den Augen von Notar Ernst Weinmann und vier weiteren Zeugen gezeigt, die am Ende die Hula-Hoop-Reifen gezählt haben. An diesem Abend hatte sie 286 Reifen um die Hüften geschwungen, wobei 21 zu Boden fielen. Um für den Weltrekord zu gelten, müssen die Reifen dreimal um die Hüfte geschwungen werden. Notar Weinmann zählte am Ende 265 Hula-Hoop-Reifen, die nun für den Weltrekord angemeldet werden.

Weltrekord mit 265 Reifen
Doch um den Weltrekord geht es den Chinesen nicht in erster Linie, auch wenn sie nach dem erfolgreichen Ereignis sich sehr gefreut haben. Sie genießen es, hier in Europa erstmals aufzutreten und wünschen sich und dem Publikum für das neue Jahr Gesundheit, Erfolg, dass ihnen das Programm gefällt, an dem fünf Jahre Vorarbeit liegen. In Fachkreisen ist dies jedenfalls die größte Hula-Hoop-Attraktion der Welt. Auch Wang Shi bestätigt, dass er keine so große Hula-Hoop-Formation kennt. Beim Weltweihnachtscircus bezaubern die Chinesinnen in ihrer Gesamtheit der Vorführung, der besonderen Art und Weise, wie sie die Hula-Hoops präsentieren. Und dafür ernten sie große Beifallsstürme. Das wird die Chinesinnen zu weiteren artistischen Anstrengungen beflügeln.
Beeindruckende Pferdeliebe

Geraldine Katharina Knie und ihr Mann Ivan Pellegrini zeigen die Schönheit und Kraft der edlen Vierbeiner
Mit ruhiger Stimme spricht sie mit den Falben, die ebenso ruhig in der Manege laufen. Wer Geraldine Katharina Knie vom Schweizer Nationalcircus der Gebrüder Knie auch bei den Proben beobachtet, sieht, welch große Liebe sie zu den Tieren hat.

Jedes schaut sie einzeln an, streichelt es, liebkost es und gibt nach vollbrachtem Training Zuckerstückchen und anderes Futter. Bei ihrer Vorführung sind fast nur Hengste in der Manege, die kraftvoll ihre Freiheitsdressur zeigen. Einzig bei der "Pas de deux"-Vorführung, die ihr Mann Ivan Pellegrini Knie und Ninel Chsherbakova, ist eine Stute mit dabei, die gelassen die Akrobatik auf ihrem Rücken mitmacht. Es ist ein Perchevon-Pferd, französisches Kaltblut, sagt Knie. Sie ist von klein auf mit dem Zirkus verbunden, dort geboren und sie stand mit vier Jahren das erste Mal in der Manege mit ihrem Vater und führte ein großes Pferd und ein Pony vor.

Beim Weltweihnachtscircus tritt sie nun das erste Mal auf mit der Freiheitsdressur, für die sie kein Geheimrezept weiß. Ein Jahr hat sie auf diese Vorführung trainiert, in der die Pferde in Gruppen sich formieren, drehen, gegeneinander laufen und sich am Ende in ihrer naturgegebenen Hengstmanier erheben. "Die Pferde wissen, ich bin das Alpha-Tier und ich schaue auf sie", sagt Knie.

Mit 17 Jahren hat ihr Vater sie gefragt, als sie ihre kaufmännischen Abschluss in der Tasche hatte, ob sie im Zirkus bleiben will. Sie wollte. Ihr Herz schlägt für die Pferde. "Es ist Hobby und Beruf in einem", sagt Knie. Wichtig sind ihr auch ihre sehr guten Mitarbeiter, die ihre 23 Pferde und das Pony Jack helfen zu versorgen und ihr in der Manege zuführen. Sie achtet auf jede Feinheit. Ihre weißen Vollblutaraber strahlen Energie und Vitalität aus. "Sie sind schon 23 Jahre alt, aber haben noch voll Lust zu arbeiten", sagt Knie. Sie ist von der Schönheit der Pferde fasziniert, deren Feinfühligkeit und Temperament. Für sie ist es immer spannend, jeden einzelnen Charakter kennen zulernen und aufzubauen. Die harmonische Vorführung im unbekannten Zirkuszelt gelingt, weil die Pferde zu ihr so großes Vertrauen haben. Jeden Tag wird geübt. Sie und ihre Familie leben ganz nah im Wohnwagen bei den Tieren.

Der Wohnwagen ist ihr Zuhause: Als einen besonderen Glücksfall sieht sie die Liebe zu ihrem Mann Ivan Pellegrini, der vor ein paar Jahren als Artist im Weltweihnachtscircus aufgetreten ist. Richtig kennen gelernt haben sie sich beim Schweizer Nationalcircus. Die beiden haben einen dreijährigen Sohn, der von einem Kindermädchen betreut wird, wenn sie trainieren. Pellegrini ist ebenfalls ein Tierliebhaber, hat seine Frau entdeckt. Und deshalb überzeugt er auch mit seinem Pas de deux. "Ich mag es, mit den Pferden zu arbeiten", sagt Pellegrini. Die Arbeit der Knies ist preisgekrönt: Zweimal bekamen sie in Monte Carlo und bekamen sie den Silbernen und einen Goldenen Clown.

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