Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 6. Dezember 2018 bis 6. Januar 2019

Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 6. Dezember 2018 bis 6. Januar 2019

Beifall einmal anders: zweitausend Zuschauer winken

Stuttgarter Zeitung, 11.1.05

Im Weltweihnachtscircus ist der letzte Salto gedreht - Mehr als 100.000 Besucher haben die Vorstellungen gesehen

Manche Besucher sind ganz wehmütig geworden - und auch den Artisten und Mitarbeitern des Weltweihnachtscircus ist am Sonntagabend der Abschied schwer gefallen. In der Derniere wurde nochmals voll aufgedreht.

Von Klaus Wagner

Es ist ein Lachen in den Logen, und auch in den Sperrsitzen haben die Menschen Spaß. Nicht nur, wenn dem Clown Jimmy Folco zum x-ten Mal ein Ei auf der Stirn zerplatzt. Die Schatten der Artisten im Scheinwerferke­gel wandern auch an diesem Abend stim­mungsvoll hoch droben über das Zeltdach, und die Seilkünstlerin Elaine Courtney schwingt mit ihrer Schaukel weit aus, die Schlaufe um die Füße geschlungen. Das lässt den Leuten den Atem stocken - und die Erleichterung greift im tosenden Beifall Platz.

Das Zelt ist nicht ganz voll bei dieser 55. und letzten Vorstellung, aber das stört niemanden. Weit mehr als 100.000 Besucher seien gekommen, verkündet der Ansager Peter Goesmann stolz. Und Mitveranstalter Hans-Peter Haag ergänzt, es seien etwa so viele gewesen wie ein Jahr zuvor - 115.000.

Zur Komik trug im Übrigen nicht nur der Clown bei. Die Truppe Nikulin aus Moskau bekam für ihre haushohen Sprünge und Salti vom Trampolin zu wummernder Musik viel Beifall - aber der besonderen Art. Kein Mensch auf den Rängen klatschte, aber alle winkten mit ihren Taschentüchern. Und die Artisten wunderten sich - sieht man aus der angestrahlten Manege doch nur in ein stock­dunkles Rund. Des Rätsels Lösung: Goesmann'hatte die Trampolinspringer als "Absolventen der Moskauer Taubstummen-Artisten-Akademie" angekündigt - sie könnten den Beifall nicht hören. Anstatt zu klatschen, sollten die Besucher doch bitte schön ein Taschentuch nehmen und winken. Und zweitausend Zuschauer taten dies. Ein hübsches Bild - aber auch ein erschreckendes Beispiel dafür, wie leicht Menschen zu beeinflussen sind. Regisseur Patrick Rosseel hatte die Erklärung: das Winken mit den Taschentü­chern sei ein traditioneller Gag im Zirkus.

Goesmann hatte noch mehr Späße auf Lager. Eine Artistin aus China kündigte er als "Nasi Go Reng" an, der Dompteur Alexander Lacey aus England wurde zu "Marcel Peters aus Bulgarien", der Reiter Ivan Pellegrini zu San Pellegrino. Eine Nummer konnte der Ansager nicht mehr veralbern, die Luftartis­ten Peresvony aus Russland waren vorzeitig abgereist. Drei der acht Akrobaten hatten sich beim Fallen ins Netz so verletzt, dass sie nicht mehr arbeiten konnten. Auch die Teil­nahme am Zirkusfestival von Monaco wurde abgesagt. Das gab Tränen beim Abschied - und Stress für die Technik beim Einbau der Ersatznummer am nächsten Tag.

Pino Esposito hingegen, der Zirkuswirt vom TÜ 8 ("Ich bin hier der Pommes-Mann im Anzug"), stand zum ersten Mal in der Manege. Hatte er zuvor die letzten Panetone, Mandeln und Prosecco billig unters Volk gebracht, so avancierte er zum Schluss zum Star im Rund: als "Rocksänger" in der Nummer des Clowns - zusammen mit Managerin Hetty Vermeulen und zwei Zuschauern.

Bald darauf versinken die letzten Handstandfiguren der Truppe Atlantis im blauen Nebel und es gibt eine Viertelstunde Schluss­applaus. Wieder mit den Händen, nicht mit Taschentüchern.

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