Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 6. Dezember 2018 bis 6. Januar 2019

Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 6. Dezember 2018 bis 6. Januar 2019

Bester Zirkus zum Fest

Premiere auf dem Wasen: Artistik in Hülle und Fülle

Mit einer temporeichen, aber überlangen Premiere hat sich der Weltweihnachtscircus in Stuttgart zurückgemeldet. Mit wenigen Ausnahmen werden internationale Spitzenleistungen der Zirkuskunst geboten. Das merken nicht nur Kenner.
Das große weiße Zelt ist proppenvoll, als Manegensprecher Peter Goesmann am Donnerstagabend das Publikum "hier in Stuttgart" begrüßt. Alles ist gespannt, was heuer geboten wird. Es beginnt mit einem Paukenschlag: Hochseilartisten springen unter der Zirkuskuppel über ihre Partner, als ob sie direkt am Boden agierten. All dies geschieht über dem aufgebauten Raubtierkäfig. Zunächst kaum bemerkt, füllt sich unten das Rund: die Tiger kommen. Bald sitzen da zehn mächtige Raubkatzen. Es wird dunkel. Oben gehen die Artisten zwei Mann hoch übers Seil. Und einer macht einen Rückwärtssalto. Das gab's bisher nur in den USA zu sehen. Aber wer war da schon?
Jetzt erst mal durchschnaufen. Doch das ist nicht einfach, es geht Schlag auf Schlag. Zuerst die Raubkatzen. Schön, elegant, ohne Gefauche und Gefuchtel. Die zehn Gestreiften bequemen sich zum gemeinsamen Wälzen im Sägemehl, zum Männchen machen in einer Reihe. Und es riecht nach Tiger. Zirkus live. Faszinierende Rollschuhartisten fegen immer rundherum, der Bauchredner bringt seine Puppe, seinen Hund und einige Zuschauer zum Sprechen, der Clown kämpft in der Badewanne mit einem Plastikkrokodil. Und vor der Pause wirbeln noch zwölf russische Artisten in einer fulminanten Schleuderbrettnummer über die Manege - alles sehr turbulent. Und sehr Comedy-betont.
Die Darbietung mit der Dressurreiterin auf ihrem Friesen und der Tänzerin, die nebenher im Spitzenschritt durchs Sägemehl trippelt - das grenzt an Peinlichkeit. Versucht die Reiterin, mit dem Pferd die Bewegungen der Tänzerin aufzunehmen, oder ist es umgekehrt? So etwas darf man nicht in die Ballettstadt Stuttgart bringen. Oder soll's eine Persiflage sein? Zumindest ist das nicht zu erkennen. Das Publikum jedenfalls spart deutlich mit Beifall.
Oder die chinesische Körperkunstakrobatin, umschwirrt von zehn Grazien. Das erinnert an vergangen geglaubte Zeiten, als André Heller Künstler aus China nach Deutschland brachte und die ‚‚begnadeten Körper'' gnadenlos vermarktete. Körperkunstakrobatik kommt noch zwei Mal - wohlgemerkt, alles sehr gute Darbietungen. Sowohl die auf dem Podest - da scheinen zwei Menschen in Ganzkörperhülle in langsamsten Bewegungen ineinander zu verschmelzen - als auch in der Luft: kraftstrotzende Hebeübungen ohne Seil zur Carmina-Burana-Musik. Die Frau springt in die Tiefe, in die Arme des Partners. Muss die Lebensgefahr ständig eingegangen werden? Jedenfalls befreit sich das Publikum mit kräftigem Jubel und Applaus von der Anspannung.
Und richtige Premierenatmosphäre kommt auf, als die Heerschar der chinesischen Fahrradfahrerinnen mit dem Holzboden nicht gut zurechtkommt und ein ums andere Mal patzt. Aber dann klappt's doch: sie springen in einer Radlerinnenreihe von Schulter zu Schulter. Und sie steigen zu achtzehnt auf ein Fahrrad. Sieht aus wie das Rad eines Pfauen. Und es heißt auch so.
Alles faszinierend und begeisternd, insgesamt aber ist's des Guten zu viel. Noch. Der Regisseur wird kräftig kürzen. Aber auch danach ist es bester Zirkus zum Fest. Beim Weltweihnachtscircus, hier in Stuttgart.

Quelle: Stuttgarter Zeitung
Text: Klaus Wagner
 

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