Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 5. Dezember 2019 bis 6. Januar 2020

Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 5. Dezember 2019 bis 6. Januar 2020

Schuster und der Hochseilakt

Weltweihnachtscircus eröffnet
Premiere vor fast ausverkauftem Haus - es ist wieder die Zeit des Weltweihnachtscircus angebrochen. Mehr als 2000 Menschen waren gestern dabei, als es hieß: Manege frei für die Artisten!

Von Klaus Wagner und Marko Schumacher

Es ist jedes Jahr wieder dieselbe spannende Frage: Wie ist das Programm im Vergleich zu seinen Vorgängern? Ist heuer die Mischung aus vielen Artisten (unter anderem aus China, Russland und der Ukraine), wenigen Tiernummern (Pferde, Löwen und Tiger) und Clownerie gelungen? Der Regisseur Patrick Rosseell jedenfalls hatte seit einer Woche fast rund um die Uhr gearbeitet, mit den Artisten, den Requisiteuren, den Technikern, den Musikern, um eine Premiere aus einem Guss zu bieten. Die ist besser abgelaufen und war kürzer als in den vergangenen Jahren - die Vorstellung dauerte genau drei Stunden. Das Premierenpublikum hat es mit Applaus gedankt, es gab aber durchaus kritische Stimmen. Eine ausführliche Kritik folgt in unserer Ausgabe morgen.

Die 28 Pferde der Schweizerin Géraldine Katharina Knie waren gerade aus dem Zelt getrabt, als Wolfgang Schuster mit wehendem Mantel einmarschierte. Der Oberbürgermeister schaut jedes Jahr beim Weltweihnachtscircus vorbei - und ist bekennender Fan der Hochseilartisten: "Vor diesen Künstlern habe ich größte Hochachtung", sagte er, "ich stelle mir jedes Mal vor, was ich machen würde, wenn da oben hinge". Derlei Kunststücke verlangte freilich niemand von Stuttgarts OB. Nach einem Begrüßungsgläschen Champagner nahm Schuster in der Loge Platz - und begnügte sich damit, den wagemutigen Akt auf dem Hochseil den Spezialisten aus Russland zu überlassen und in der Manege ein großes Lob zu spendieren.

Die OB-Gattin Stefanie Schuster wäre auch gerne zur Premiere gekommen. Schließlich ist sie Präsidentin der Olgälestiftung, der die Einnahmen der ersten Vorstellung zugute kommen. Leider ist sie derart erkältet, dass der Arzt ihr zur Schonung der Stimmbänder striktes Sprechverbot erteilt hat. "Für Frauen ist das die Hölle, nicht reden zu dürfen", weiß Cornelia Kieferle-Nicklas, die als Vorstandsmitglied der Stiftung Stefanie Schuster vertrat. Kieferle-Nicklas hatte die Artisten schon im Vorfeld der Premiere kennengelernt und findet sie "richtig goldig". Besonders begeistert ist sie von dem Clown, "denn da werden bei mir Kindheitserinnerungen wach".

Einen unverhofften Auftritt im Rampenlicht erlebte Ilona Peuckert. Sie wurde von Willer Nicolodi, dem "König der Bauchredner", ins Rund geholt. Den Mund machte sie auf und zu - den Rest besorgte Nicolodi. Wie sie es fand, dass mehr als 2000 Menschen sich vor Lachen auf die Schenkel klopften? "Es hat mir großen Spaß gemacht", sagte Peuckert. Es sei in Ordnung gewesen, auf den Arm genommen zu werden - "zumal er mir eine schöne hohe Stimme verpasst hat". Nicolodi hat übrigens einen einfachen Trick, wie er zu seinen Mitspielern kommt: Er mischt sich vor der Vorstellung unters Publikum, sucht sich seine späteren "Opfer" aus, begleitet sie unauffällig an ihren Platz - und holt sie von dort später zu sich.

Von einem königlichen Erlebnis berichtete Produzent Henk van der Meyden, der auch Mitveranstalter der Gala zur Wiedereröffnung des königlichen Theaters Carré in Amsterdam war. Dort wurde der 67-Jährige nach der Vorstellung zu einer "Verehrerin" gebeten - und traf auf Ihre Majestät, Prinzessin Beatrix der Niederlande. "Sie hat mir sehr für meine Arbeit in diesem Haus gedankt", erzählte van der Meyden stolz. Im Carré-Theater hatte der Holländer vor 18 Jahren das Vorbild des Stuttgarter Weltweihnachtscircus gegründet.

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