Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 6. Dezember 2018 bis 6. Januar 2019

Weltweihnachtscircus Stuttgart – Stuttgart, Cannstatter Wasen – 6. Dezember 2018 bis 6. Januar 2019

Premierebesprechung 95/96

Seit etlichen Jahren wird um den Jahreswechsel auf dem Cannstatter Wasen Zirkus der Spitzenklasse geboten. Unter dem Namen ,,Weltweihnachtscircus'' versteht es der holländische Impresario Henk van der Meyden immer wieder, seinem selbstgesteckten Anspruch gerecht zu werden: ,,Ich mag den Zirkus sehr, aber nur, wenn er sehr gut ist.'' Weltweihnachtscircus gibt es seit einem Dutzend Jahren in Amsterdam, dazu einige jüngere Filialen in Deutschland. Hierzulande gibt der Weltweihnachtscircus in diesem Jahr sein viertes Gastspiel. Van der Meyden wird seinem Anspruch wieder gerecht, wenn auch etwas anders. Aber das schadet gar nichts.

Die Stuttgarter sehen seit gestern einen Weihnachtszirkus mit allem, was zu einem klassischen Programm gehört: zwei Pferdenummern, einem Ansager mit sympathischen Worten (und Übertreibungen), mit herrlichen Spaßmachern (Musicalclowns mit Vibraphon und vielen Tröten), und natürlich jede Menge Artisten. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Luft, was aber durch professionelle Inszenierung kaschiert wird. Apropos Inszenierung: Die hat am Premierenabend noch ein paar Schwächen aufgewiesen. Die Probezeit der aus der ganzen Welt zusammengeholten Truppe ist mit wenigen Tagen einfach zu kurz, dazuhin gibt es beispielsweise nur wenig Varianten beim Licht, diesem im Zirkus so wichtigen Element. Dies ist aber auch positiv: Topleistung braucht nicht viele inszenatorische Elemente, um ordentlich zu wirken. Wohl auch deshalb haben Henk van der Meyden und sein Regisseur Patrik Rosseel auf künstlichen Nebel, flackerndes Diskolicht oder die fast schon obligaten Tanzgirls verzichtet. Im Weltweihnachtscircus zählt die Leistung der Artisten, unterstützt vom Orchester aus Polen. Das war's. Und das wirkt.
Zum Beispiel die Perche-Nummer einer sechs Mann starken Truppe aus Rußland. Wie die alleine oder zu zweit an ihren langen Stangen herumturnen, die von einem starken Untermann senkrecht balanciert werden, das ist schon spannend. Oder Fattini, dieser Artist aus Deutschland, der auf einer Laterne am ebenfalls weit hin- und herschwankenden Mast in zehn Metern Höhe Kopf- und Handstand macht - da muß mancher unter dem Chapiteau schon wegsehen.
Doch es kommt noch toller. Einer der Höhepunkte ist die ,,klassische'' Luftnummer mit dem fliegenden Trapez - doch klassisch ist diese Vorführung überhaupt nicht, sondern nagelneu und sehr modern. Vier junge Frauen aus Korea fliegen, fast den Vögeln gleich, hoch oben durchs Zirkuszelt. Durch zwei Absprungbretter und eine Mittelstation mit zwei Fängern (und Werfern) eröffnen sich hoch über der Manege ganz neue Flug- und Drehkombinationen - Höchstleistungen der Artistik. Beispiele? Ein doppelter Salto mit anschließender dreifacher Passage - und natürlich der vierfache Salto. Schade nur, daß der nicht immer zu klappen scheint. Es ist dieser Truppe zu gönnen, daß sie beim Zirkusfestival in Monte Carlo im Februar, zu dem sie eingeladen ist, den goldenen Clown gewinnt. Die Stuttgarter jedenfalls können sich den Trip zur Côte d'Azur sparen.

Sie sehen im Weltweihnachtszirkus auch noch anderes, was schließlich zum langen Schlußapplaus im Stehen führt: das Clownduo Rossyan etwa, das mit seiner Vorführung fast eine Hymne an die Kunst der Clowns ist. Perfekte Musikalclowns, wie man sie sich schon lange wieder gewünscht hat. Oder Yasmine Smart - zum vierten Mal beim Weltweihnachtszirkus dabei, zeigt die Tierlehrerin mit ihrem Mann Dany Cesar ihre herrlichen Pferde. Ein wunderschönes Stück im Kaleidoskop bester Zirkuskunst. Klaus Wagner

Quelle: Stuttgarter Zeitung
Text: Klaus Wagner

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